Bei der Präsentation des iPhone Air bezeichnete es das Unternehmen stolz als das dünnste iPhone aller Zeiten. Mit nur 5,64 Millimetern unterbietet es das ohnehin schlanke iPhone 6 um mehr als einen Millimeter. Blickt man jedoch von der Seite darauf, fällt eine Besonderheit auf: Am oberen Rand sitzt ein sogenanntes „Plateau“ – eine elegante Bezeichnung für eine deutliche Erhebung. Dort erreicht das Gerät 11,32 Millimeter und ist damit fast doppelt so dick.
Laut den Reparatur-Profis von iFixit erleichtert das Plateau des iPhone Air den Austausch von Komponenten, da sich die meisten Bauteile im oberen Bereich des Geräts befinden. Vor allem kann so der Akku zentral platziert werden. Dadurch lässt er sich besonders einfach erreichen und austauschen.
Auch wenn manche argumentieren mögen, Apple habe damit streng genommen doch nicht das dünnste iPhone gebaut, könnte das Plateau vielmehr einen Ausblick auf die Zukunft des Smartphone-Designs geben. Eine solche Erhebung findet sich auch auf der Rückseite des iPhone 17 Pro und des iPhone 17 Pro Max, wodurch die Geräte oben dicker ausfallen als unten. Dieser Ansatz bringt jedoch klare Vorteile mit sich und verbindet praktische Notwendigkeit mit durchdachter Ingenieurskunst.
Zunächst schien es, als habe Apple das Plateau nur deshalb integriert, weil sich die Kamerakomponenten nicht weiter verkleinern ließen. Große Bildsensoren und moderne Linsen benötigen schließlich eine gewisse Bautiefe – deshalb besitzen iPhones seit Jahren einen Kamerabuckel. Doch das iPhone Air setzt lediglich auf eine einzelne 48-Megapixel-Fusion-Kamera mit zweifach optischem Zoom statt auf mehrere Objektive. Warum fällt die Erhebung – also das Plateau – bei diesem Modell dennoch so groß aus?
Die Antwort wird klar, wenn man einen Blick ins Innere des Plateaus wirft: Seine Komponenten dienen nicht ausschließlich der Kamera. Wie Apple erklärt, schafft die Erhebung zusätzlichen Raum für weitere Bauteile. Beim iPhone Air beherbergt das Plateau unter anderem den Lautsprecher, den A19-Pro-Chip sowie Teile des Logic Boards. Durch die Auslagerung dieser zentralen Elemente in einen eigenen Bereich gewinnt Apple im restlichen Gehäuse deutlich mehr Platz für einen größeren, metallummantelten Akku.
Apple ist nicht der einzige Hersteller, der Kunden mit besonders dünnen Smartphones ansprechen möchte. Vor allem Samsung macht mit dem Galaxy S25 Edge starke Konkurrenz – einem Modell, das an seiner dünnsten Stelle 5,8 Millimeter misst und somit nur minimal dicker ist als die 5,64 Millimeter des iPhone Air.
Wie das Air besitzt auch das S25 Edge einen Kamerabuckel, der die Bauhöhe auf 8,45 Millimeter erhöht – und damit immer noch deutlich unter Apples Wert bleibt. Allerdings zieht sich dieser nicht über die gesamte Rückseite und beherbergt auch keine zusätzlichen Komponenten. Das zeigt, wie schwierig es ist, den Wunsch nach ultradünnen Smartphones mit den Anforderungen eines leistungsfähigen Kamerasystems in Einklang zu bringen.
Diese Erhebungen unterscheiden sich in Größe und Form. Googles Pixel-Reihe setzt beispielsweise auf eine horizontale Kameraleiste – ebenfalls ohne die zusätzlichen internen Funktionen, die dem Air seinen praktischen Vorteil verschaffen. Das verdeutlicht, dass Apple derzeit eine Vorreiterrolle einnimmt. Doch da Industriedesigner und Ingenieure den Ansatz bereits genau analysieren, dürfte das Unternehmen damit nicht lange allein bleiben.
Eine Frage der Flexibilität
Das Plateau ist Teil eines durchdachten, sorgfältig geplanten Designs. Es sorgt dafür, dass sich das iPhone Air in der Hand besonders schlank anfühlt – schließlich liegt der dünnste Bereich des Geräts in deiner Handfläche.
Gleichzeitig macht das Design das Gerät widerstandsfähiger. Ein Teardown von iFixit zeigt, dass die Verlagerung des Logic Boards an die Oberseite dafür sorgt, dass es bei einem Verbiegen des iPhone weniger Belastung ausgesetzt ist. Wer sich an das iPhone 6 erinnert, weiß, warum Apple hier vorsichtig agiert. Dieses Modell ließ sich leicht verbiegen – etwa in der Gesäßtasche enger Jeans.
Die daraus entstandene Kontroverse aka „Bendgate“ hat Apple zweifellos dazu veranlasst, künftige Designs sorgfältiger abzusichern. Neben einem besonders widerstandsfähigen Ceramic Shield auf Vorder- und Rückseite des iPhone Air, einem stabilen Titanrahmen und einer durchdachten Anordnung der Komponenten spielt auch das Plateau eine wichtige Rolle in diesem Konzept.
Auch bei den höherwertigen Modellen iPhone 17 Pro und iPhone 17 Pro Max setzt Apple auf das Plateau. Zwar sind diese Geräte mit 8,75 Millimeter deutlich robuster und weniger anfällig für Verwindungen, doch der zusätzliche Raum schafft abermals Platz für einen größeren Akku. Tests zufolge erreicht das iPhone 17 Pro Max fast 18 Stunden Laufzeit, das iPhone 17 Pro rund 15 Stunden und 30 Minuten. Zudem vergrößert das Plateau die Oberfläche und fungiert als eine Art Kühlkörper – legt man den Finger darauf, spürt man mitunter eine leichte Wärmeentwicklung.
Ganz ohne Nachteile kommt das Plateau jedoch nicht aus. Berichten zufolge zeigen insbesondere die Pro-Modelle an den schärferen Kanten schneller Gebrauchsspuren, da die eloxierte Beschichtung dort offenbar schlechter haftet. Das „Scratchgate“ betrifft vor allem die dunkleren Farbvarianten. Wir empfehlen eine Schutzhülle.
Eine Diät für alle Modelle
All das deutet darauf hin, dass das Plateau die Zukunft von Apples Smartphone-Design prägen könnte – zumal kommende Modelle zwangsläufig noch leistungsstärkere Chips erhalten werden. Gleichzeitig bereitet es den Weg für das erwartete faltbare iPhone. Laut Bloomberg-Journalist Mark Gurman soll es sich um ein buchähnliches Gerät mit vier Kameras handeln. Zudem kursieren Gerüchte über ein zusätzliches Außendisplay neben dem inneren, großen Bildschirm. Ein solches Gerät dürfte entsprechend viel Energie benötigen.
Das Plateau bietet eine Lösung für die steigenden Anforderungen an den Akku und ermöglicht es zugleich, das Gehäuse im gefalteten Zustand so dünn wie möglich zu halten. Der gewonnene Innenraum schafft Platz für eine größere Batterie und zusätzliche Komponenten. Vielleicht profitieren künftig sogar iPad oder Mac von diesem Ansatz, um noch schlanker zu werden – ein erhöhter Streifen auf der Rückseite eines Tablets könnte zugleich als leichte Aufstellhilfe dienen. Sicher ist: Das Plateau ebnet den Weg für weitere Innovationen. Oder, um es mit Steve Jobs zu sagen – und wie Tim Cook es kürzlich wiederholte: „Design ist, wie es funktioniert.“










